Aufsatz | Mit Platon und Aristoteles zum Unterschied von Sein und Werden

Der Beitrag von Sergiusz Kazmierski möchte auf die Bedeutung des Unterschiedes von Sein und Werden für den sich bei Platon und Aristoteles ergebenden Zusammenhang von Naturbetrachtung auf der einen Seite sowie Ethik, Ökonomie und Politik auf der anderen Seite aufmerksam machen. Im Zentrum steht die Passage 27D 5–28A 1 aus dem platonischen Dialog Timaios, anhand derer dieser Unter-schied in seiner Bedeutung einerseits für die aristotelische Fassung des Menschen als eines zôon politikón und zôon lógon échon, andererseits für den aristotelischen Begriff der entelécheia/enérgeia angezeigt wird. Der Geist dieser platonisch-aristotelischen Unter-scheidung erweist sich dabei zum einen als von der Naturphilosophie eines Philistion von Lokroi inspiriert, zum anderen als von der athenischen Welt- und Selbstsicht getragen, wie sie sich in der thukydideischen Gefallenenrede des Perikles zwar andeutet, deren unvollendete Form aber schon der platonische Menexenos kritisiert.

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Ausschnitt aus Raffaels Schule von Athen (Vatikan, 1510/11)

Kazmierski – Sein und Werden